Off topic: Wien, Hohe Warte 29

Johann und Gisela Weigels Wiener Villa, Hohe Warte 29

Nachdem ich bei Wikipedia Fotografien und Details zur Geschichte der Wiener Villa Hohe Warte 29 ergänzt habe, hat mich Eleonora Lichtenecker (Wien) gebeten, für sie einige mir bekannte Weigel-Aspekte dieses kunst- und kulturgeschichtlich interessanten Gebäudes, das zwischen 1915 und 1923 der Familie Hans und Gisela Weigel gehört hat, zusammenzufassen. Denn Eleonora Lichtenecker arbeitet als Ur-Enkelin von Marie Kellner, einer früheren Besitzerin der Villa, an einer Monografie über die Geschichte der Hohen Warte 29, ihrer EigentümerInnen und BewohnerInnen.

Villa Hohe Warte Nr. 29 (Diese seltene Fotografie der Villa Hohe Warte 29 stammt von Hans und Gisela Weigels Enkel Wolfgang Weigel (Mollmannsdorf), dem ich dafür herzlich danke. Foto: Atelier Julius Weiner, Wien, um 1910)
Villa Hohe Warte Nr. 29 (Diese seltene Fotografie der Villa Hohe Warte 29 stammt von Hans und Gisela Weigels Enkel Wolfgang Weigel (Mollmannsdorf), dem ich dafür herzlich danke. Foto: Atelier Julius Weiner, Wien, um 1910)

„Hohe Warte“

Wenn in unserer Familie „Hohe Warte“ erwähnt wurde, war nicht vom Wetter, Bundespräsidenten oder Fußball die Rede, sondern vom Kindheitswohnsitz meiner Porzellangassen-Verwandten. „Hohe Warte“, genauer Hohe Warte 29, war eine Villa, die Ende der 1970er-Jahre demoliert wurde, um Wohnblöcken zu weichen. Dabei hätte das prächtige Gebäude allein wegen seines Architekten Max Fabiani (1865-1962) Denkmalschutz verdient. Aber auch die BewohnerInnen waren nicht ohne: So erwähnt die Künstlerin und Frauenrechtlerin Rosa Mayreder, geb. Obermayer (1858-1938), in ihren „Jugenderinnerungen“ das von ihrem Vater erworbene „Haus auf der Hohen Warte“, das von seiner Familie „im Frühjahr 1868“ erstmals bezogen wurde und wo sie die „nächsten 25 Jahre ununterbrochen jeden Sommer verbrachten“.

Gemeint ist das Haus „Hohe Warte 29“: „Dort war ich wirklich zu Hause, dort war ich frei, dort stieg aus Büchern und Papieren eine unsichtbare Welt herauf, die ich als wahre Heimat empfand“ (1)

Verkaufsinserat für die Villa Hohe Warte 29 (20. Juli 1895, Neue Freie Presse, S. 18)
Verkaufsinserat für die Villa Hohe Warte 29 (20. Juli 1895, Neue Freie Presse, S. 18)

Um 1895 verkauft die Familie Obermayer ihr Landhaus, das der Architekt Max Fabiani 1896 zu einer prächtigen Villa umbaut, die zwei Jahrzehnte lang Marie Kellner gehört. Sie ist die Gattin des Chemikers Karl Kellner. Nach dessen Tod heiratet sie den Erfinder Otto Gergacsevics. Ab 1915 gehört die Villa Johann und Gisela Weigel. Sie verkaufen die Villa 1923 dem Industriellen Georg Mauthner, der 1931 aus finanziellen Gründen Selbstmord begeht, worauf die Villa zwangsversteigert wird.

„Mauthner-Villa [„Hohe Warte 29“] zum viertenmal ergebnislos versteigert.“ „Neues Wiener Journal“, 8. Oktober 1933, S. 21.
„Mauthner-Villa [„Hohe Warte 29“] zum viertenmal ergebnislos versteigert.“ „Neues Wiener Journal“, 8. Oktober 1933, S. 21.

Als weitere prominente BewohnerInnen der Villa Hohe Warte 29 nennt Christian Reder in seinem Buch „Deformierte Bürgerlichkeit“ neben Rosa Mayreder den Maler Georg Jung, den Dirigenten Herbert Karajan, den Publikumsliebling Peter Alexander und den Kriminal-Roman-Autor John le Carré (2) wobei sich Reder auf einen heimatkundlichen Aufsatz aus dem Jahr 2010 (3) stützt: „Auch rund um die Villa Mendl (19., Wallmodengasse 11), wo wir zeitweilig lebten, ergibt jedes Nachforschen zeitgeschichtliche Zusammenhänge. So wohnte auf dem angrenzenden Gelände einmal die Frauenrechtlerin Rosa Mayreder, später der nach dem Krieg der Secession angehörende Künstler Georg Jung mit seiner Familie. Anfangs ein Nazi, habe er sich „später davon distanziert. Ab 1942 hatte er Ausstellungsverbot und galt als ‚entartet’“. (4) Weite Teile der inzwischen durch Neubauten ersetzten Villa Jung wurden zeitweilig Herbert von Karajan, Peter Alexander oder John le Carré als Mieter überlassen.“ (5)

Ausflüge als Erinnerungsstimulans

Für meine Porzellangassen-Verwandtschaft war die Hohe-Warte-Villa Synonym für den Wohlfühlort ihrer Kindheit und Jugend. Ihr einstiges Kinderland, eine luxuriöse Villa mit zahlreichen Zimmern und Salons, Turnhalle, Dachterrasse mit Sternwartekuppel, eigener Kegelbahn und großem Garten mit Schwimmbassin war ihr verlorenes Paradies. Dort nahmen ihre Lebenswege ihren Ausgang, die im Rückblick anders verlaufen hätten können: Deutlich schlechter, aber auch etwas besser. Denn schließlich wurden Kindheit, Jugend und die restliche Lebenszeit ihrer gesamten Generation durch die Gräuel und Leiden zweier Weltkriege überschattet, die beide Male ihre Vaterländer mutwillig vom Zaun gebrochen hatten.

Als ich zwischen 1978 und 1982 zum Zweck des Schulbesuchs in Wien bei meinen Tanten in der Porzellangasse gewohnt habe, pflegten sie eine sentimentale Anhänglichkeit an ihre Kindheitsadressen Hohe Warte 29 und Weimarer Straße 91, die und deren veränderte Umgebung sie an Wochenenden und Feiertagen immer wieder besichtigen gingen, vermutlich weil die Hohe-Warte-Villa damals demoliert wurde, um Wohnblöcken Platz zu machen. Zu meinem heutigen Bedauern habe ich sämtliche Einladungen, meine Tanten bei ihren nostalgischen Ausflügen zu begleiten, ausgeschlagen, wodurch ich aus eigener Schuld kaum etwas über ihre interessante Lebenswege und ihre teils künstlerische Vergangenheit erfahren habe.

Die Mühe, mit der ich seit 2005 einen Bruchteil der künstlerischen Vergangenheit meiner mittlerweile verstorbenen Wiener Verwandten recherchiert und durch eigens verfasste Wikipedia-Artikel über Susi Weigel (Jänner 2007), Café Koralle (November 2010), Julia Menz (Dezember 2010), Meta Menz (März 2011) und Vera Zahradnik (März 2022) in das öffentliche Bewusstsein zurückgerufen habe, weil ihr Leben und Wirken weitgehend in Vergessenheit geraten war, hätte ich mir ohne meine jugendliche Ignoranz erspart, indem ich beim gemütlichen Spazierengehen gleichsam nebenbei ihre äußerst interessante Lebensgeschichte aus erster Hand erfahren hätte.

Um „Tante Susis“ Werk und Wirken dem Vergessen zu entreißen, habe ich Anfang 2006, Wolfgang Kos, den Direktor des „Wien Museums“, den ich durch meine Mitarbeit bei der Ö3-„Musicbox“ kannte, angeregt, im „Wien Museum“ eine Ausstellung über Susi Weigel und Mira Lobe durchzuführen. Sie wurde 2014 eröffnet und war die zweitmeistbesuchte Ausstellung der Ära Kos.

Mit dieser E-Mail habe ich am 11. Februar 2006 Wolfgang Kos, den Direktor des „Wien Museums“, den ich durch meine Mitarbeit bei der Ö3-„Musicbox“ kannte, angeregt, im „Wien Museum“ eine Ausstellung über Susi Weigel und Mira Lobe durchzuführen. Sie ist 2014/15 erfolgt und wurde die zweitmeistbesuchte Ausstellung der Ära Kos.
Mit dieser E-Mail habe ich am 11. Februar 2006 Wolfgang Kos, den Direktor des „Wien Museums“, den ich durch meine Mitarbeit bei der Ö3-„Musicbox“ kannte, angeregt, im „Wien Museum“ eine Ausstellung über Susi Weigel und Mira Lobe durchzuführen. Sie ist 2014/15 erfolgt und wurde die zweitmeistbesuchte Ausstellung der Ära Kos.

Die Familie Johann und Gisela Weigel (geb. Hauswirth)

Der aus Proßnitz (heute: Prostějov) stammende Fabrikant Johann „Hans“ Weigel (1867-1949) heiratet 1900 in Wien die Wiener Gastwirtstochter Gisela Hauswirth (1875-1953), die zu ihm nach Proßnitz zieht, wo ihre vier Kinder Johann „Hans“ (1902-1978), Martha (1903-1986), Eugen (1906-1981) und Susanna (1914-1990) geboren werden. Nach dem Tod von Gisela Weigels Vater Johann „Hans“ Hauswirth (1838-1915) erwerben sie und ihr Mann die Wiener Villa Hohe Warte 29, wohin sie im ersten Kriegssommer 1915 ziehen. Der paradiesische Garten dient den Kindern als Spielplatz und sichert während des Krieges zudem die Versorgung mit Obst und Gemüse.

Nachruf auf Johann Hauswirth. „Deutsches Volksblatt“, 1. Juli 1915, S.8.
Nachruf auf Johann Hauswirth. „Deutsches Volksblatt“, 1. Juli 1915, S.8.

Zusätzlich zur Villa kaufen Johann und Gisela Weigel 1916 noch ein Doppelhaus in der Alserbachstraße (Nr. 39 und 41).

Nach dem Ersten Weltkrieg provoziert ihr Wohlstand mediale Kritik. Beispielsweise beklagt die „Arbeiter Zeitung“ im Herbst 1922 unter der Überschrift „Billiges Wohnen!“, dass reiche HausbesitzerInnen für ihre Luxus-Villen vom Staat finanziell bevorzugt werden, indem sie viel zu geringe öffentliche Abgaben leisten müssten: „Sie zahlen Hauszinssteuer, Vermögensabgabe, innere Anleihe, Wohnbausteuer aufgrund derselben Kronenzahl wie im Jahr 1913“, während für MieterInnen die Wohnkosten wegen des Ersten Weltkrieges massiv gestiegen sind. Als eines von vielen konkreten Beispielen für diese soziale Ungerechtigkeit dient die „Villa Weig[e]l“:

„Billiges Wohnen!“ Unter dieser Überschrift kritisiert die „Arbeiter Zeitung“ im Herbst 1922, dass reiche HausbesitzerInnen, wie die Familie Weigel, für ihre Luxus-Villen viel zu geringe öffentliche Abgaben zahlen müssen („Billiges Wohnen!“ „Arbeiter-Zeitung“. 24. Oktober 1922. S. 2).
„Billiges Wohnen!“ Unter dieser Überschrift kritisiert die „Arbeiter Zeitung“ im Herbst 1922, dass reiche HausbesitzerInnen, wie die Familie Weigel, für ihre Luxus-Villen viel zu geringe öffentliche Abgaben zahlen müssen („Billiges Wohnen!“ „Arbeiter-Zeitung“. 24. Oktober 1922. S. 2).

Im Jahr darauf, 1923, verkauft die zu Recht gescholtene Familie Weigel ihre Hohe-Warte-Villa an den Textilindustriellen Georg Mauthner und übersiedelt in das Haus Weimarer Straße 91.

Hans Weigel (1902-1978) und Eugen Weigel (1906-1981)

Der Erstgeborene Sohn Johann „Hans“ Weigel wird Cafétier und übernimmt später das von seinen Eltern seit 1925 geführte „Café Industrie“ (Porzellangasse 39), das er und sein jüngerer Bruder Eugen Weigel sofort nach dem „Anschluss Österreichs“ an Hitlers Unrechtsstaat in „Kaffee Berchtesgaden“ umbenennen.

Inserat der Parteigenossen Hans und Eugen Weigel im „Völkischen Beobachter“, dass sie das Café Industrie (unter Anspielung auf Adolf Hitlers zweiten Regierungssitz) in „Kaffee Berchtesgaden“ umbenannt haben und jüdische Gäste nicht mehr bedienen. („Völkischer Beobachter“. 20. März 1938, S. 10.)
Inserat der Parteigenossen Hans und Eugen Weigel im „Völkischen Beobachter“, dass sie das Café Industrie (unter Anspielung auf Adolf Hitlers zweiten Regierungssitz) in „Kaffee Berchtesgaden“ umbenannt haben und jüdische Gäste nicht mehr bedienen. („Völkischer Beobachter“. 20. März 1938, S. 10.)

Dieser durch Hitlers zweiten Regierungssitz politisch punzierte Name wird im Lauf der Zeit durch das neutrale „Kaffee Koralle“ ersetzt, als welches der Familienbetrieb bis 1968 weitergeführt wird. Anschließend wird das Kaffeehaus verpachtet und am 31. Mai 1978 als Folge des „Kaffeehaussterbens“ für immer geschlossen.

Martha Weigel (1903-1986)

Die älteste Tochter Martha Weigel studiert in den 1920er-Jahren bei der Wiener Gesangspädagogin Fritzi Lahr-Goldschmid Gesang und tritt 1929 unter anderem im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses auf. Trotz ihrer Gesangs- und Klavierausbildung muss sie ihre künstlerischen Ambitionen aufgeben, da sie durch Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg genötigt wird, im familieneigenen Kaffeehaus als Zuckerbäckerin mitzuarbeiten, was bis zur Pensionierung ihr Beruf bleibt.

„Martha Weigel - Hans Toifl“. Aus: „Der Tag“. 12. Juni 1929, S. 8
„Martha Weigel – Hans Toifl“. Aus: „Der Tag“. 12. Juni 1929, S. 8

Susanna Weigel (1914-1990)

Mehr Glück und (vermutlich auch mehr) Talent hat die jüngste Tochter Susi Weigel. Sie studiert an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst und an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitet sie als Illustratorin sowie als Trickfilmzeichnerin zuerst in Wien, dann in Berlin. Zuvor gestaltet sie 1935 mit dem Architekten Bruno Buzek (1911-1973) und dem Maler Franz von Zülow (1883-1963) die Innenarchitektur des „Café Industrie“. Im Jahr 1937 übersiedelt sie ins nationalsozialistische Berlin, wo sie Buzek heiratet sowie als angestellte Trickfilmzeichnerin und freie Grafikerin tätig ist.

Susi Weigel (1914-1990) und ihre Cousine und Pflege-Schwester Vera Zahradnik (1908-1991)
Susi Weigel (1914-1990) und ihre Cousine und Pflege-Schwester Vera Zahradnik (1908-1991)

Nach Kriegsende kehrt sie nach Wien zurück, wo sie für das Kindermagazin „Unsere Zeitung“ zeichnet. Dabei lernt sie die Kinderbuchautorin Mira Lobe (1913-1995) kennen, mit der sie in der Folge jahrzehntelang zusammenarbeitet. Nach der Scheidung von Buzek heiratet sie 1952 erneut und zieht zu ihrem Mann nach Vorarlberg. Fortan illustriert sie vor allem Mira Lobes Bücher, darunter die Kinderbuchklassiker „Bärli Hupf“, „Bärli hupft weiter“ und „Das Städtchen Drumherum“.

Vera Zahradnik (1908-1991)

Auch Vera Zahradnik (1908-1991), die durch den Tod ihrer Mutter 1913 Halb- und 1915 durch den Tod ihres Vaters Rudolf Zahradnik Vollwaise wird, wächst mit ihren nahezu gleichaltrigen Cousinen in der Hohe-Warte-Villa auf, da Gisela Weigel die kleine Wera sozusagen als dritte Tochter annimmt.

Von Vera Zahradniks Eltern zeugt (vorerst) nur noch ihre Erwähnung in der Karlsbader Kurliste vom Mai 1911
Von Vera Zahradniks Eltern zeugt (vorerst) nur noch ihre Erwähnung in der Karlsbader Kurliste vom Mai 1911

Beruflich strebt Wera eine Ballett-Karriere an, wozu sie zuerst bei Grete Wiesenthal in Wien und anschließend bei Mary Wigman in Dresden Ballett studiert.

Als Wera Weig[e]l tritt sie beispielsweise am 26. Oktober 1920, 14. September 1921, 23. September 1921, 27. Dezember 1921 und 25. Jänner 1922 gemeinsam mit Grete Wiesenthal im Großen Saal des Wiener Konzerthauses auf. Am 12. April 1924 gestaltet sie gemeinsam mit Pepitta Höllriegl und Ingela Dulnig, zwei weiteren Grete-Wiesenthal-Meisterschülerinnen, einen Tanzabend im Döblinger Konzertsaal Zögernitz.

Tanzabend der Grete-Wiesenthal-Meisterschülerinnen Pepitta Höllriegl, Wera Weig[e]l [= Vera Zahradnik] und Ingela Dulnig („Neues Wiener Tagblatt“, 11. April 1924, S.12).
Tanzabend der Grete-Wiesenthal-Meisterschülerinnen Pepitta Höllriegl, Wera Weig[e]l [= Vera Zahradnik] und Ingela Dulnig („Neues Wiener Tagblatt“, 11. April 1924, S.12).

Der Maler Erwin Lang, der zwischen 1910 und 1923 mit Grete Wiesenthal und anschließend mit ihrer Meisterschülerin Ingela Dulnig verheiratet ist, entwirft dafür ein Plakat.

Als Vera Zahradnik tritt sie unter anderem am 12. November 1927 mit Gisa Geert (geb. Margarita Groß) und Melitta Primavesi im Wiener „Volksheim“ auf. Unter dem Namen Wera Zahradnik ist sie am 5. Jänner 1929 und am 7. Februar 1929 im Großen Saal des Wiener Konzerthauses in Peter Iljitsch Tschaikowskys „Der Nussknacker“ zu sehen (Choreographie: Gisa Geert und Ilka Peter (geb. Zezulak), Dirigent: Gottfried Kassowitz, „Orchester des Neuen Wiener Orchester-Vereines“).

Zwischen 20. Juli und 2. September 1930 tritt sie gemeinsam mit Hans Weigels späterer Ehefrau Meta Menz (1906-1990) als Mitglied von Mary Wigmans Tanztruppe in Albert Talhoffs „Totenmal“ auf. Gemeinsam begleiten die späteren Schwägerinnen Meta Menz und Vera Zahradnik 1932/33 Mary Wigman auf ihrer USA-Tournee. Mitte der 1930er-Jahre eröffnet Zahradnik in Krakau ein Tanzstudio. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet sie in Krakau und gelegentlich in Wien, wohin sie nach dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt. Anschließend übersiedelt sie nach New York, von wo sie um 1981 erneut in die Wiener Porzellangasse zurückkehrt.

Meta Weigel (geb. Menz, 1906-1990)

Über Wera Zahradnik dürfte ihr Cousin und Pflegebruder Hans Weigel seine Ehefrau Meta Menz kennengelernt haben, die in den 1920er-Jahren zuerst bei Mary Wigman studiert, dann dort bald selbst unterrichtet. Als Perkussionistin und Tänzerin begleitet sie Mary Wigman auf mehreren Europa- und zwei mehrmonatigen USA-Tourneen.

Die Mary-Wigman-Schülerin und -Mitarbeiterin Meta Menz (1906-1990, verheiratete Weigel)
Die Mary-Wigman-Schülerin und -Mitarbeiterin Meta Menz (1906-1990, verheiratete Weigel)

Anschließend ist sie Solotänzerin am Stadttheater in Münster, an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau sowie zuletzt Ballettmeisterin und Solotänzerin am Stadttheater Baden bei Wien, bevor sie die Pflege ihrer todkranken Schwester, der Cembalistin Julia Menz (1901-1944), übernimmt.

Nachruf Julia Menz. „Innsbrucker Nachrichten“. 21. März 1944, S. 4.
Nachruf Julia Menz. „Innsbrucker Nachrichten“. 21. März 1944, S. 4.

Von „Onkeln“ und „Tanten“

Die im Familienalltag verwendeten Bezeichnungen „Onkel Hans“, „Tante Martha“, „Tante Susi“ und „Tante Meta“ waren der Bequemlichkeit geschuldet. Tatsächlich waren sie weiter entfernte Verwandte: Mein Großvater Robert Weigel (1910-1941), „Onkel Hans“, „Tante Martha“ und „Tante Susi“ hatten nicht dieselben Eltern, sondern dieselben Ur-Großeltern: Franz und Barbara Weigel (geborene Kratochville).

„Onkel Hans“, „Tante Martha“, „Tante Susi“ und mein Großvater Robert Weigel (1910-1941) hatten dieselben Ur-Großeltern: Franz und Barbara Weigel (geborene Kratochville), womit sie entfernte Verwandte waren.
„Onkel Hans“, „Tante Martha“, „Tante Susi“ und mein Großvater Robert Weigel (1910-1941) hatten dieselben Ur-Großeltern: Franz und Barbara Weigel (geborene Kratochville), womit sie entfernte Verwandte waren.
Fünf Porzellangassen-Weigels beim Feiern: 1 (Offen) 2 (Midi Lottersberger, geb. Mair) 3 (Gisela Weigel, geb. Hauswirth), 4 (Susi Weigel, verheiratete Mair), 5 (Heinrich Mair), 6 (Martha Weigel), 7 (Hans Weigel) und 8 (Meta Weigel, geb. Menz)
Fünf Porzellangassen-Weigels beim Feiern: 1 (Offen) 2 (Midi Lottersberger, geb. Mair) 3 (Gisela Weigel, geb. Hauswirth), 4 (Susi Weigel, verheiratete Mair), 5 (Heinrich Mair), 6 (Martha Weigel), 7 (Hans Weigel) und 8 (Meta Weigel, geb. Menz)

Über den Urheber der obigen Hohe-Warte-Villen-Fotografie

Photographische Kunst-Anstalt Julius Weiner
Photographische Kunst-Anstalt Julius Weiner

Photographisches Atelier Julius Weiner,
Wien, IX., Währingerstr. 61, XIX., Pyrkerg. 18 (im Garten)

Spezialist in Porträt-, Gruppen-, Kinder-, Interieur-, Kunstlicht- und Moment-Aufnahmen in und ausser Haus. — Aufnahmen finden bei jeder Witterung auch an Sonn- und Feiertagen von früh bis abends statt, in den Wintermonaten wird auch abends bei elektr. Licht photographiert. – Vergrösserungen nach jedem beliebigen Bilde mit garantierter Aehnlichkeit. — Amateurarbeiten werden angenommen und billigst berechnet. Zu jeder Kostümaufnahme ein koloriertes Bild gratis. (5)

Parte Julius Weiner (1878-1918). „Neues Wiener Tagblatt“, 27. Juni 1918, S. 16.
Parte Julius Weiner (1878-1918). „Neues Wiener Tagblatt“, 27. Juni 1918, S. 16.

Anmerkungen

(1) Rosa Mayreder, „Das Haus in der Landskrongasse“. 41-57, hier: 41.

(2) Christian Reder, „Deformierte Bürgerlichkeit“. Wien 2016. 146. Wie der Zufall spielt wohnt Christian Reders Familie während des Zweiten Weltkriegs im Haus von Fritz Langs Eltern und Großeltern in der Wiener Castellezgasse und übersiedelt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Gars-Thunau, wo Fritz Langs Eltern gleichfalls ein Landhaus besitzen (siehe: Fritz Langs familiäre Gars-Verbindungen). Aufgrund der Gars-Aufenthalte werden in Reders Buch unter anderem auch der umstrittene Garser Nazi-Zeit-Bürgermeister August Sachseneder, der Garser NS-Ortsgruppenleiter Heinrich Hinterecker und der von den Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende feige ermordete „Waldpension“-Eigentümer Isidor Wozniczak thematisiert (siehe: Zur Vorgeschichte der „Waldpension“ und ihrer Eigentümer und Geschichte und Vorgeschichte der Waldpension Gars).

(3) Wolfgang E. Schulz, Döblinger Heimatkreis (Hrsg.): Um den Hungerberg. (= Döblinger Heimatkunde. Heft Nr. 8), April 2010.

(4) Oswald Oberhuber (Hg.), Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich, Wien
1985, 181.

(5) Christian Reder, „Deformierte Bürgerlichkeit“. Wien 2016. 146.

(6) Inserat in: „Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union“. Wien. Juli/August 1914.

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Weigel!.
    Ihre Ausführungen im Internet zur Geschichte des Hauses Hohe Warte 29 bzw den Ihnen vorgenommenen Ergänzungen auf Wikipedia waren für mich besonders lesenswert.
    Dies deshalb, weil dieses Haus 1939 von meinem Vater, dem Maler Georg Jung, erworben wurde und über 30 Jahre im Eigentum unserer Familie stand. Da über die Bedeutung Georg Jungs durchaus einiges im Internet zu finden ist, wäre eine kurze einschlägige Ergänzung auf Wikipedia sicher auch für viele User nicht uninteressant, auch wenn Sie verständlicherweise den Fokus auf die Familie Weigel gelegt haben. Die vo Ihnen angeführten Persönlichkeiten waren alle unsere Mieter, wobei auch diese Namen zu ergänzen wären. Frau Mag. Lichtenecker hat mich bereits kontaktiert, selbstverständlich stehe ich Ihnen auch gerne für Auskünfte zur Verfügung.
    Mit besten Grüßen
    Dr. Verena Altmann, geb. Jung

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