Zu Franz von Suppès 200. Geburtstag

Ausblick auf die Garser Suppè-Ausstellung samt Begleit-Publikation

Am 18. April 2019 ist Franz von Suppès 200. Geburtstag, den das Garser „Zeitbrücke-Museum“, das unter anderem auch für seine Franz-von-Suppè-Gedenkstätte bekannt ist, mit einer eigenen Jubiläumsausstellung sowie einer Begleitpublikation feiern wird, die gemeinsam zahlreiche Archivalien, Bilder, Dokumente, Exponate und Fotografien zeigen sowie Fakten und Zusammenhänge darlegen werden, die bislang so gut wie völlig unbekannt waren und das Ergebnis meiner intensiven Spurensuche zu Franz von Suppès Leben, Werk und Wirkungsgeschichte sind (siehe auch Presseinformation des „Zeitbrücke-Museums“ zum Suppè-Jahr 2019).

Franz von Suppè arbeitete seit 1876 am „Boccaccio“

„Suppés Boccaccio“ aus „Tagespost Graz“. 14. November 1876, S. 3.
„Suppés Boccaccio“ aus „Tagespost Graz“. 14. November 1876, S. 3.

Neue Fundstücke, wie die nebenstehende Zeitungsmeldung  vom November 1876, korrigieren die Entstehungsgeschichte von Franz von Suppès Operette „Boccaccio“. Demgemäß war der Komponist nicht erst seit 1878, sondern schon seit 1876 mit der Vertonung des „Boccaccio“-Librettos beschäftigt. Bislang hat die Suppè-Forschung angenommen, dass Suppè das Libretto erst 1878 zur Vertonung erhalten hätte, aber zeitgenössische Medien-Berichte lassen keinen Zweifel, dass er zumindest schon seit Herbst 1876 am „Boccaccio“ gearbeitet hat. Dessen Entstehung dauerte somit drei Jahre (1876-1878), während deren Sommermonaten Suppè unter anderem in Gars war (siehe: Jüngste Funde korrigieren die Entstehungsgeschichte von Suppès „Boccaccio“).

Warum Sofie von Suppè ihr Garser Suppè-Museum der „Stadt Wien“ geschenkt hat

Auch über die Geschichte des von Sofie von Suppès betriebenen Garser Suppè-Museums (1896-1908) kursierten Jahrzehnte lang widersprüchlichste Darstellungen. Dabei blieb allerdings die naheliegende Frage, warum sie ihr Garser Suppè-Museum 1902 überraschend den „Städtischen Sammlungen“ der „Stadt Wien“ geschenkt hat, ungestellt.

Ursache war vermutlich ihre Erfahrung, dass Franz von Suppès Kinder aus erster Ehe (Anna, Peter und Therese), die die Heirat ihres 47-jährigen Vaters mit der 25-jährigen Regensburgerin Sofie Strasser (1841-1926) laut zeitgenössischen Medienberichten missbilligt haben sollen, und seine Töchter ihr ihre rechtmäßige Erbschaft streitig machten, obwohl Franz von Suppè seine zweite Frau Sofie testamentarisch zu seiner Haupterbin erklärt und zweifelsfrei festgehalten hat, dass seine Kinder und Kindeskinder nur ihre gesetzlichen Pflichtteile erhalten sollen.

Nachdem der Konflikt amtlich zu Sofie von Suppès Gunsten entschieden wurde, musste Suppès kinderlose Witwe befürchten, dass nach ihrem Tod erneut ein Erb-Streit um den Nachlass ihres Mannes ausbreche, der dadurch in alle Winde zerstreut würde, weshalb sie die Bestände des Garser Suppè-Museums Anfang 1902 bewusst der „Stadt Wien“ zur Errichtung eines „Suppè-Zimmers“ geschenkt hat. Allein dieser ebenso großzügigen wie vernünftigen Entscheidung verdanken wir es, dass der Großteil von Suppès Nachlass nahezu geschlossen in einigen Wiener Archiven und Bibliotheken verwahrt wird.

Angeheiratete Skandale zum Lebensabend

Weiters war unbekannt, dass Franz von Suppès Lebensabend von öffentlichen Skandalen seiner angeheirateten Schwieger-Familien Edelsperger und Jenny überschattet wurde. So haben die Behörden beispielsweise im Jahr 1883 aufgrund der „Adelsanmaßung des Alfred Edelsberg“, der seit 1871 mit Suppès jüngster Tochter Theresia verheiratet war, Ermittlungen begonnen und 1884 amtlich festgestellt, dass Alfred Edelsberg das Adelsprädikat „von“ völlig unbefugt geführt hat. Demgemäß haben die Behörden die amtliche Namenskorrektur angeordnet, wobei sie eigens die zuständigen Pfarren angewiesen haben, bei den Kirchenbuch-Einträgen der Familie Edelsberg das bisher unberechtigt geführte Adelsprädikat „von“, wo immer es vorkomme, zu löschen und darüber hinaus den Namen „Edelsberg“ zu „Edelsperger“ abzuändern (siehe auch: Endlich biografisch Verbrieftes zu Philippine von Edelsberg).

Rosa Streitmann, Suppès Star und Schwieger-Enkelin

Wesentlich ärger waren allerdings die Skandale, die die Familie von Suppès Tochter Anna „Ritter von Jenny“ dem Komponisten beschert hat. So hat etwa Suppès Enkel Friedrich Ritter von Jenny zwar im Dezember 1885 die Operetten-Sängerin Rosa Streitmann geheiratet, was ihn aber nicht gehindert hat, schon kurz nach den Flitterwochen mit der Gattin seines Schwagers durchzubrennen, was für mediales Aufsehen gesorgt hat, weil es sich dabei um die Schauspielerin Louise Streitmann sowie den Operetten-Sänger Karl Streitmann gehandelt hat.

(„Ein Scandal“ aus „Mährisches Tagblatt“. 20. April 1886, S. 6)
(„Ein Scandal“ aus „Mährisches Tagblatt“. 20. April 1886, S. 6)

Zudem haben Suppès Enkel Ritter von Jenny und Suppès Kurzzeit-Schwieger-Enkelin Rosa Streitmann den Skandal noch durch peinliche Zeitungsinserate geschürt, was für Franz von Suppè nicht nur privat, sondern auch beruflich unangenehm gewesen sein muss, da die Operetten-Sängerin Rosa Streitmann und der Operetten-Sänger Karl Streitmann als interpretierende Künstler die Stars einiger seiner Bühnenwerke waren. So sang Rosa Streitmann beispielsweise 1878 im Carl-Theater in der „Der Teufel auf Erden“-Uraufführung. 1879 gab sie dort bei der „Boccaccio“-Uraufführung die Fiametta, die sie 1882 bei der Neuinszenierung am „Theater an der Wien“ erneut sang. Weiters trat sie 1880 am Carl-Theater in der „Donna Juanita“-Uraufführung sowie 1884 bei deren Neuinszenierung am „Theater an der Wien“ auf.

(„Zwei Anzeigen“ aus „Neue Freie Presse“. 17. April 1886, S. 22)
(„Zwei Anzeigen“ aus „Neue Freie Presse“. 17. April 1886, S. 22)

Vor diesem Hintergrund wird es Suppè geschätzt haben, dass diese für ihn beruflich und privat peinlichen Skandale in der abgelegenen Kamptal-Sommerfrische Gars anders als in den führenden Künstler-Sommerfrischen des Salzkammergutes bzw. Semmerings kaum bekannt waren und wurden.

Diese und einige weitere Skandale der angeheirateten Verwandten-Linien Jenny und Edelsperger, die der Suppè-Forschung entgangen sind, obwohl sie nicht nur Suppès Privat-, sondern auch sein Berufsleben betroffen haben, erklären, wieso Sofie von Suppè nur den Kontakt zu der Verwandten-Linie des früh verstorbenen Suppè-Sohnes Peter gepflegt hat, die nach Sofie von Suppès Tod schließlich auch ihren Garser und Wiener Besitz geerbt hat.

Suppès Enkel erstreitet bedeutendes OGH-Urteil

Nicht mehr erlebt hat Franz von Suppè den bedeutenden Gerichtserfolg  seines Enkels Oscar Edelsperger, der im Jahre 1907 durch ein Urteil des „Obersten Gerichtshofes“ erreicht hat, dass seine am 26. August 1904 in Buenos Aires geschlossene Ehe mit Rosalia Baß auch in seinem Vaterland Österreich als rechtsgültige Ehe anerkannt wurde, obwohl seine Gattin Jüdin war und damals in Österreich Ehen zwischen Christen und Juden verboten waren.

(„Gerichtshalle“ aus „Das Vaterland“. 6. Februar 1907, S. 6)
(„Gerichtshalle“ aus „Das Vaterland“. 6. Februar 1907, S. 6)

Nach dem frühen Tod von Oscar Edelsperger wurde seine Familie aufgrund ihrer unverschuldeten sozialen Notlage erneut Thema von Medienberichten.

„Das Elend der Urenkel Suppés“ aus „Grazer Tagblatt“. 25. Februar 1920, S.13)
„Das Elend der Urenkel Suppés“ aus „Grazer Tagblatt“. 25. Februar 1920, S.13)

Tragische Lebensläufe von Suppès Lieblingsenkel(inne)n

Auch das Leben von Suppès Lieblingsenkelinnen und -enkeln, den Kindern seines früh verstorbenen Sohnes Peter, war von schwersten Schicksalsschlägen und bitterer Armut geprägt.

Nachruf auf Franz von Suppés Enkelin Anna (1876-1923): „Selbstmord einer Enkelin Suppés“ aus „Neues Wiener Tagblatt“. 19. August 1923, S. 8.
Nachruf auf Franz von Suppés Enkelin Anna (1876-1923): „Selbstmord einer Enkelin Suppés“ aus „Neues Wiener Tagblatt“. 19. August 1923, S. 8.

Die nachfolgende Fotografie, ein besonderes Fundstück, zeigt Franz von Suppès Enkelin Anna (1876-1923), die sich Mitte der 1890er Jahre als Violinisten einen Namen zu machen begann, aber um 1900 erkrankte, was ihre Karriere abrupt beendet hat.

Die links abgebildete Fotografie zeigt zweifelsfrei Suppès Enkelin, die Konzert-Violinistin Anna von Suppè (1876-1923), während die rechts abgebildete Fotografie laut Zeitungsbild-Legende ihre Schwester Else Suppè-Keller (1875-1960) zeigen soll. Diese direkte Gegen-Überstellung soll veranschaulichen, dass (meines Erachtens) beide Fotografien Anna Suppè zeigen.
Die links abgebildete Fotografie zeigt zweifelsfrei Suppès Enkelin, die Konzert-Violinistin Anna von Suppè (1876-1923), während die rechts abgebildete Fotografie laut Zeitungsbild-Legende ihre Schwester Else Suppè-Keller (1875-1960) zeigen soll. Diese direkte Gegen-Überstellung soll veranschaulichen, dass (meines Erachtens) beide Fotografien Anna Suppè zeigen.

Begleitende Buch-Publikation zu Suppès Leben, Werk und Wirkung

Begleitend zur Jubiläumsausstellung des „Zeitbrücke-Museums“ (Juni 2019) erscheint eine Buch-Publikation, in der Andreas Weigel folgende Themen-Schwerpunkte erörtern wird:

*) Franz von Suppès Gars-Aufenthalte, seine Garser Bekannten- und Freundeskreise,

*) Franz von Suppè und die Kamptalbahn (seine Einflussnahme auf die Neuplanung der Kamptalbahntrasse sowie seine Dresinen-Fahrten vor der Eröffnung der Kamptalbahn etc.),

*) Franz von Suppès Ehefrauen, Kinder und Kindeskinder,

*) die Familie Suppè in Arthur Schnitzlers „Autobiografie“ und „Tagebuch“,

*) die Geschichte von Sofie von Suppès Garser Suppè-Museum (1895 bis 1908),

*) Geschichte und Vorgeschichte des Suppè-Gedächtniszimmers in Wien (1901 bis 1932),

*) Franz von Suppè: fotografiert, gemalt, karikiert (ein Bildteil mit nahezu allen verfügbaren Suppè-Porträts).

Franz von Suppé am Dirigentenpult (Österreichische Illustrierte Zeitung, 20. April 1919, S. 16)
Franz von Suppé am Dirigentenpult (Österreichische Illustrierte Zeitung, 20. April 1919, S. 16)

Zusätzlich wird Anton Ehrenberger Architektur und Geschichte von Franz und Sofie von Suppès Garser Wohnstätten und Häusern, beschreiben und durch zahlreiche Abbildungen und Fotografien dokumentieren.

Weiters wird Ingrid Scherney, die zu Suppès 100. Todestag im Jahr 2005 ihre Monografie „Franz von Suppè – vielseitiger Komponist und Urheber der Wiener Operette“ veröffentlicht hat, einen Kurzbeitrag verfassen (Arbeitstitel: „2 Frauen Ende des 19. Jahrhunderts / Anfang des 20. Jahrhunderts: Sofie von Suppè als Museumsgründerin, Bertha von Suttner als Friedensnobelpreisträgerin“).

Schön wäre es, wenn auch Vladimir Haklik, der seit den 1990er Jahren Franz von Suppès Leben und Werk erforscht und dabei im Hinblick auf Suppès Vorfahren interessante Funde gemacht hat, diese schon in unserer geplanten Franz-von-Suppè-Jubiläumspublikation vorveröffentlichen könnte. Schließlich hat Haklik mit einer Mischung aus berechtigtem Ärger und Erstaunen darüber geklagt, dass Suppès Biografien zu Vieles einfach nachbeten, statt dieses anhand vorhandener Dokumente nachzuprüfen. So hat beispielsweise der erste Suppè-Biograf Otto Keller, der mit Suppès Enkelin Else verheiratet war, den Namen von Suppès Mutter als „Landovsky“ wiedergegeben, was seither ungeprüft als Gewissheit weitergereicht wurde, aber ins genealogische Nirgendwo führte, weil Suppès Mutter nachweislich „Jandowsky“ hieß (siehe beispielsweise: Hut ab vor dem Wiener Heimatforscher Robert Franz Müller).

Suppé-Biografin Ingrid Scherney und Suppé-Biograf Vladimir Haklik in der Garser Suppe-Gedenkstätte im „Zeitbrücke-Museum“ (Foto: Gerhard Baumrucker. Aus: Zeitbrücke. Nr. 1, Mai 2008, S. 5.)
Suppé-Biografin Ingrid Scherney und Suppé-Biograf Vladimir Haklik in der Garser Suppe-Gedenkstätte im „Zeitbrücke-Museum“ (Foto: Gerhard Baumrucker. Aus: Zeitbrücke. Nr. 1, Mai 2008, S. 5.)

Weiters kritisiert Haklik, dass laut sämtlichen Suppè-Biographien Suppès Großvater ein Belgier und Suppès Großmutter eine Cremoneserin wären und Suppès Vater Pietro de Suppè noch in Cremona geboren worden wäre, obwohl alle drei laut Kirchenbüchern in Kroatien* geboren wurden.

Vier Generation von Suppès Vorfahren möchte Vladimir Haklik in seiner in Arbeit befindlichen Suppè-Biografie beleuchten, was interessant zu werden verspricht. Denn Suppès kroatische Ahnen* sind für die Musikwissenschaft interessant, weil Suppès Werke laut Haklik zahlreiche Anklänge an kroatische Volkslieder enthalten, die bislang allein aus dem Grund nicht wahrgenommen wurden, weil die Suppè-Forscher diese nicht kannten und zudem Suppès kroatische Wurzeln übersehen haben, weil sie sich stattdessen auf Suppès italienische Aspekte konzentriert haben. Demgemäß darf man auf Hakliks Forschungsergebnisse gespannt sein, der als (mittlerweile pensionierter) Bratscher der „Wiener Symphoniker“ klassisch ausgebildeter Berufsmusiker ist und als Kroate mit dem Liedgut seiner Ahnen bestens vertraut ist.

Zeitbrücke-Museum: Franz-von-Suppè-Gedenkstätte

Die Franz-von-Suppè-Gedenkstätte des Garser „Zeitbrücke-Museums“ zeigt zahlreiche Exponate, von denen einige schon zwischen 1896 und 1908 in dem von Suppès Witwe Sofie in seinem Garser Landhaus betriebenen „Suppè-Museum“ präsentiert wurden. Denn Gars am Kamp war von 1876 bis zu Suppès Tod (1895) seine Sommerresidenz. Aus diesem Grund gibt es in Gars außer dem „Suppè-Gedenkraum“ auch Suppès Landsitz zu sehen, den er sich dank der Einnahmen seiner kommerziell erfolgreichen Operetten „Fatinitza“ (1876) und „Boccaccio“ (1879) vom Baumeister Leopold Wieser, der übrigens auch das „Zeitbrücke-Museum“ gebaut hat, in der Kremser Straße (Nr. 40) errichten lassen konnte. Anfang 1902 hat Franz von Suppès Witwe Sofie die in ihrem Garser „Suppè-Museum“ befindliche Sammlung dem „Museum der Stadt Wien“ (heute: „Wien Museum“) für die Einrichtung eines „Suppè-Zimmers“ gespendet, welche die kulturgeschichtlich wertvollen Schaustücke 1908 in Gars abgeholt und zwischen 1912 und 1932 in einem „Suppè-Gedächtniszimmer“ präsentiert hat.

Franz-von-Suppè-Gedenkstätte im Garser „Zeitbrücke-Museum“
Franz-von-Suppè-Gedenkstätte im Garser „Zeitbrücke-Museum“

 

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