Jüngste Funde korrigieren die Entstehungsgeschichte von Suppès „Boccaccio“

Franz von Suppé hat sich seit 1876 mit dem „Boccaccio“-Libretto beschäftigt

Jüngste Fundstücke korrigieren die bisherige Entstehungsgeschichte von Franz von Suppès Operette „Boccaccio“. Der Komponist hat sich nicht erst 1878, sondern seit 1876 mit der Vertonung des „Boccaccio“-Librettos beschäftigt. Denn während die Suppè-Forschung bislang einhellig angenommen hat, dass Suppé das Libretto von F. Zell und Richard Genèe erst 1878 zur Vertonung erhalten habe, lassen zeitgenössische Medien-Berichte keinen Zweifel, dass Suppé zumindest seit Herbst 1876 an seinem erfolgreichsten Werk gearbeitet hat. Die Entstehungsgeschichte von Suppès „Boccaccio“ umfasst somit drei Jahre (1876-1878), deren Sommermonate der Komponist unter anderem in Gars (Villa Haan, Haangasse 27) verbracht hat.

Die bislang früheste (mir) bekannte Erwähnung von Suppès Beschäftigung mit dem „Boccaccio“-Libretto stammt vorerst aus der „Tagespost Graz“. Sie berichtet am 14. November 1876, dass Suppè „wieder eine neue Operette, ‚Boccaccio‘,“ schreibe, „welche noch in dieser Saison [1876/77] in Scene gehen soll.“

„Suppés Boccaccio“ aus „Tagespost Graz“. 14. November 1876, S. 3.
„Suppés Boccaccio“ aus „Tagespost Graz“. 14. November 1876, S. 3.

Knapp zehn Monate später, Anfang September 1877, berichtet die Leipziger Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ Folgendes über die – wie sich nun herausstellt – mehrjährige Entstehung des „Boccaccio“: „Gegenwärtig ist Herr Suppè mit der Composition der Operette ‚Giovanni Boccaccio‘ beschäftigt, welche Anfangs Januar [meint: 1878] im Carltheater aufgeführt werden wird.“ Damals, im Sommer 1877, war Suppé zum zweiten Mal Sommerfrische-Gast in der Garser Villa der Familie Haan (Haangasse 27).

„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 44, September 1877. S. 693.
„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 44, September 1877. S. 693.

Ende September 1877 berichten die „Signale für die musikalische Welt“ sogar, dass Suppè „soeben“ die „Operette ‚Giovanni Boccaccio‘, nach einem Libretto von Genèe und Zell,“ vollende, was die Erwartungshaltung seines Theater-Direktors auf das baldige Vorliegen des lange angekündigten Werks gewiss erhöht haben wird.

„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 48, September 1877. S. 758.
„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 48, September 1877. S. 758.

Am 11. Oktober 1877 ist auch in der „Neuen Freien Presse“ zu lesen, dass Suppé „zwei neue Operetten componiert“ habe,  für deren eine, „’Boccaccio‘ betitelt,“ „die Herren Zell und Genèe das Libretto geliefert“ haben.

„Theater- und Kunstnachrichten“ aus „Neue Freie Presse“. 12. Oktober 1877, S. 7.
„Theater- und Kunstnachrichten“ aus „Neue Freie Presse“. 12. Oktober 1877, S. 7.

Tatsächlich konnte Suppé den fertigen „Boccaccio“ aber erst nach einem weiteren Jahr Ende 1878 vorlegen. Demgemäß haben auch im Sommer 1878, den Suppé gleichfalls bei Haans in Gars verbracht hat, mehrere Zeitungen angekündigt, dass „die Operette ‚Boccaccio‘, welche der Komponist gleichfalls vollendet hat, […] im Laufe der ersten Wintermonate gegeben werde“.

„Carltheater in Wien“ aus: „Neuigkeits-Welt-Blatt“. 9. August 1878, S. 5.
„Carltheater in Wien“ aus: „Neuigkeits-Welt-Blatt“. 9. August 1878, S. 5.

Der im Sommer 1878 genannte Uraufführungstermin, „im Laufe der ersten Wintermonate“, wurde im November 1878 zu „Ende Dezember [1878] oder Anfang Januar [1879]“ präzisiert.

„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 64, November 1878. S. 1015.
„Signale für die musikalische Welt“. Nr. 64, November 1878. S. 1015.

Auch dieser Termin war nicht zu halten, weshalb die Uraufführung von Suppès „Boccaccio“ erst nach rund dreijähriger Werkentstehungszeit am 1. Februar 1879 am Carl-Theater erfolgt ist.

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