Fundstücke zum Künstler Karl Elleder

Der völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Karikaturist und Illustrator Karl Elleder (1860 – 1941), dem ab 10. November 2017 im Rahmen der Ausstellung „Kinder und Bücher“ eine kleine Werkschau im „Zeitbrücke Museum“ gewidmet wird, dürfte seine spätere Wahlheimat Gars, wo seine Schwiegermutter, Therese Grasser, 1894 einen Villengrund (Manigfall 12, Horner Straße 212) erworben hat, schon seit 1905 wiederholt besucht haben. Schließlich war die älteste Tochter von Carl und Therese Grasser, Theresia, seit 1905 seine Ehefrau. Nachdem am 12. Jänner 1916 ihre Schwester, Maria, und am 14. Februar 1916 ihre Mutter in Manigfall gestorben ist, hat Elleders Frau die Villa geerbt, was seine Gars-Verbindung verfestigt hat. Auch nach dem Tod seiner Frau am 30. Juli 1935 hat er in Gars gelebt, wo er am 8. Jänner 1941 verstorben ist und wo er auch begraben wurde.

Nachruf auf Maria Grasser (Aus: Eggenburger Zeitung. 28. Jänner 1916, S. 4.
Nachruf auf Maria Grasser (Aus: Eggenburger Zeitung. 28. Jänner 1916, S. 4.)
Nachruf auf Therese Grasser (Aus: Eggenburger Zeitung. 18. Februar 1916, S. 4.)
Nachruf auf Therese Grasser (Aus: Eggenburger Zeitung. 18. Februar 1916, S. 4.)

Der folgende (aus dem Jahr 1902 stammende) Eintrag in Hermann Clemens Kosels „Deutsch-österreichischem Künstler- und Schriftsteller-Lexikon“ war alles, was vor der „Stars in Gars“-Ausstellung über den Illustrator, Karikaturisten und Zeichner Karl Elleder in Lexika zu finden war:

„Elleder Karl, III. Lorbeergasse 13, geb. Korneuburg, 15. Juni 1860, bildete sich autodidaktisch in Krems und Wien aus; illustri[e]rte u[nter] a[nderem] die „Cadettengeschichten“ von Hofrath Oskar Teuber und das „Lachcabinett“, welches C[arl] M[ichael] Ziehrer am allerhöchsten Hofe in Wien vorführte, ist periodischer Mitarbeiter der „Münchener Fliegenden Blätter“ sowie mehrerer humoristischer Zeitschriften des In- und Auslandes.“ (1)

Mehr biografische Informationen und eine anschauliche Auswahl von Elleders zeichnerischem Werk bietet und bot die Website des unter anderem als Illustrator von J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ bekannten Künstlers Bernhard Oberdieck. Er zitiert einen detaillierten Artikel des Schriftstellers Friedrich Wilhelm Illing, der Elleder Anfang der 1920er Jahre in Gars am Kamp kennen und schätzen gelernt hat, weshalb Illing unter dem Titel „Karl Elleder, der Humperdinck des Pinsels“ ein ausführliches Porträt über ihn verfasst hat. Darauf aufbauend ist die bislang detaillierteste Elleder-Biografie in meiner Tourismus-Geschichte der Kamptal-Sommerfrische Gars-Thunau zu lesen, die – dank Tatjana und Peter Elleders Unterstützung – zudem als Erstveröffentlichung die einzig bekannte Elleder zeigende Porträt-Fotografie enthält: „Ach, wie arg, dass niemand weiß: Der Maler und Illustrator Karl Elleder“. (2)

Karl Elleder (1880-1961)
Die bislang einzig bekannte Karl Elleder zeigende Fotografie wurde mir freundlicherweise von Tatiana und Peter Elleder, Karlsbad, zur Verfügung gestellt.

Der folgende Ausschnitt der 1918 in der Zeitschrift „Fliegende Blätter“ veröffentlichten Zeichnung „Alltagsheraldik“ zeigt Karl Elleders selbstironisches Selbst-Porträt, das ihn als allzu strengen „Kunstschuster“-Erzieher abbildet.

Karl Elleders selbstironisches Selbst-Porträt als „Kunstschuster“-Erzieher
Karl Elleders selbstironisches Selbst-Porträt als „Kunstschuster“-Erzieher (Detail aus: Karl Elleders „Alltagsheraldik“, „Fliegende Blätter“, 1918).

Abschließend folgt noch der Nachruf des „Neuigkeits-Welt-Blattes“ auf Karl Elleders Schwiegervater, den k. und k. Hoflieferanten Karl Grasser, der am 1. Oktober 1902 in Wien verstorben ist. Die reiche Verwandtschaft erklärt, wieso der „Maler Karl Elleder, derzeit in Gars am Kamp“ zu Weihnachten 1915 laut „Neuem Wiener Tagblatt“ 500,– Kronen [entspricht 2017 einer Kaufkraft von rund 2.700,– Euro] für die Aktion ‚Bausteine für das Rote Kreuz‘ spenden konnte.“ (3)

Herr Karl Grasser †. Aus: „Neuigkeits-Welt-Blatt“. 4. Oktober 1902, S. 5.
Herr Karl Grasser † (Aus: „Neuigkeits-Welt-Blatt“. 4. Oktober 1902, S. 5.)

Anmerkung

1) Hermann Clemens Kosel (Hrsg.): Biographien der Wiener Künstler und Schriftsteller (= Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Bd. 1). Gesellschaft für Graphische Industrie, Wien 1902, Band 1 (1902). S. 244.

2) „Ach, wie arg, dass niemand weiß: Der Maler und Illustrator Karl Elleder“. In: Andreas Weigel, Stars in Gars. Schaffen und Genießen. Reich bebilderte Geschichte der Sommerfrische Gars-Thunau von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. In: Stars in Gars. Schaffen und Genießen. Künstler in der Sommerfrische. Herausgegeben vom Museumsverein Gars, Zeitbrücke-Museum Gars (Gars 2017) S. 9-174, hier: S. 78-82.

3) „Neues Wiener Tagblatt“. 23. Dezember 1915, S. 9.

Siehe auch: Karl Elleders Butziwackel-Illustrationen wiederveröffentlicht (Gratis-E-Book)

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