Weitere Puzzle-Steinchen zur Geschichte des Thunauer Hotels

Dieser Tage konnte ich weitere Puzzle-Steinchen zur lückenhaften Geschichte des Thunauer Terrassen-Hotels zusammentragen, die meine bisherigen Recherche-Ergebnisse (1) abrunden.

Maßgebliche Besitzverhältnisse des Thunauer Terrassen-Hotels (1893-1935)

um 1893: Ernestine Šimunek,
um 1901: Marie Frischauf,
um 1917: Ignaz und Anna Dworschak,
um 1925: Ignaz und Anna Hofer (vormals Dworschak),
um 1933: Karl und Hildegard Endres,
seit 1935: Franz Blauensteiner

„Hotel Ernestine Šimunek“ (1893-1901)

Um 1900 hat Ernestine Šimunek ihr Thunauer Hotel nachweislich als solches betrieben, was zur Frage führt, wieso dieses in der frühen Garser Tourismus-Geschichte nie erwähnt wurde, obwohl es als das einzig vorhandene Thunauer Hotel für die Anfänge der Kamptal-Sommerfrische Gars-Thunau gewiss wichtig war?

Vom „Hotel Ernestine Šimunek“ zeugen vorerst nur Ansichtskarten sowie öffentliche Ausschreibungen zu teils freiwillig, teils von Gläubigern betriebenen Versteigerungen.

Am 5. August 1901 verschickt ein Gast des „Hotel Šimunek“ folgende Postkarte, die von diesem in Vergessenheit geratenen Thunauer Tourismusbetrieb zeugt. Die Urlaubsgrüße beginnen mit der freudigen Feststellung „Heute ist hier Kirchtag für die feinen Leute. Wir werden alle tanzen gehen“ und endet mit dem kurios klingenden Wunsch „Wenn nur bald Winter wäre ...“.
Am 5. August 1901 verschickt ein Gast des „Hotel Šimunek“ folgende Postkarte, die von diesem in Vergessenheit geratenen Thunauer Tourismusbetrieb zeugt. Die Urlaubsgrüße beginnen mit der freudigen Feststellung „Heute ist hier Kirchtag für die feinen Leute. Wir werden alle tanzen gehen“ und endet mit dem kurios klingenden Wunsch „Wenn nur bald Winter wäre …“.

Neben ihrem Thunauer Hotel besaß Ernestine Šimunek in der benachbarten Kamptal-Sommerfrische Buchberg eine Villa (Haus Nr. 31), die im Herbst 1899 zum Ausrufspreis von 20.000 Gulden [entspricht 2017 einer Kaufkraft von rund 270.000 Euro], zur freiwilligen öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben wurde:

Ernestine Šimuneks Buchberger Villa (Aus: Wiener Zeitung, 1. Oktober 1899, S. 22)
Versteigerung von Ernestine Šimuneks Buchberger Villa (Aus: Wiener Zeitung, 1. Oktober 1899)

Zur Zeit der Versteigerung ließen „Johann und Ernestine Šimunek, Maurermeister aus Thunau 8“, in Zitternberg zwei Villen (Nr. 24 und Nr. 25) errichten. (2)

Im Sommer 1900 wurde Ernestine Šimuneks Buchberger Villa erneut zur freiwilligen Versteigerung ausgeschrieben – diesmal gemeinsam mit ihrem Thunauer Hotel:

Versteigerung von Ernestine Šimuneks Hotel (Thunau Nr. 8) und Villa (Buchberg Nr. 31) (Aus Neue Freie Presse. 11. August 1900, S. 18).
Versteigerung von Ernestine Šimuneks Hotel (Thunau Nr. 8) und Villa (Buchberg Nr. 31) (Aus: Neue Freie Presse. 11. August 1900).

Im Frühjahr 1901 folgte auf Betreiben von Marie Frischauf (Eggenburg) und Friederike Henninger (Wien) die finale Versteigerung von Šimuneks Liegenschaften: Haus Nr. 8 in Thunau, Haus Nr. 31 in Buchberg sowie der Häuser Nr. 24 und 25 in Zitternberg, wobei die beiden Zitternberger Villen damals ins Eigentum der Notarsgattin Pauline Gelinek übergingen. (2)

Liegenschaftsversteigerung von Haus Nr. 8 in Thunau, Haus Nr. 31 in Buchberg sowie der Villen Haus Nr. 24 und 25 in Zitternberg. (Aus: Wiener Zeitung 14. Mai 1901, S. 29)
Liegenschaftsversteigerung von Haus Nr. 8 in Thunau, Haus Nr. 31 in Buchberg sowie der Villen Haus Nr. 24 und 25 in Zitternberg (Aus: Wiener Zeitung 14. Mai 1901).

Marie Frischauf (1901-1917)

Das Thunauer Hotel ging nach der Versteigerung 1901 in das Eigentum von Marie Frischauf über, die das Hotel im Jänner 1902 zum Kauf inseriert hat: „Hôtel Garni in Thunau-Gars am Kamp, in nächster Nähe des Bahnhofes und der Schwimmschule gelegen, einstöckig, ganz neu und sehr solid gebaut, 10 Jahre steuerfrei, mit acht Zimmern und sieben Cabineten, vollständig möblirt, nebst großem Garten, rentables Unternehmen, welches auch erweiterungsfähig wäre, ist unter günstigen Zahlungsbedingnissen sehr preiswürdig zu verkaufen.“ (3)

Inserat: „Hôtel Garni in Thunau-Gars“ (Aus: Der Bote aus dem Waldviertel, 15. Jänner 1902)
Inserat: „Hôtel Garni in Thunau-Gars“ (Aus: Der Bote aus dem Waldviertel, 15. Jänner 1902)

Marie Frischauf war die Gattin des Eggenburger Notars Dr. Eugen Frischauf (1866-1934), der von 1912 bis zu seinem Tod Obmann der Krahuletz–Gesellschaft und anerkannter Volkskundler war. Er suchte Anfang Jänner 1914 mittels Zeitungsinseraten für sein Haus in Gars-Thunau einen Hausbesorger, dem er freie Wohnung sowie ein Monatsgehalt von 20 Kronen [entspricht im Jahr 2017 der Kaufkraft von ca. 110.- Euro] zu zahlen gewillt war.

Hausbesorger für Eugen Frischaufs Thunauer Haus gesucht (Aus: Österreichische Land-Zeitung vom 24. Jänner 1914).
Hausbesorger für Eugen Frischaufs Thunauer Haus gesucht (Aus: Österreichische Land-Zeitung vom 24. Jänner 1914).

Es ist vorerst offen, aber durchaus naheliegend, dass Frischaufs Haus in Gars-Thunau mit dem heutigen Thunauer Terrassenhotel identisch ist, das zwischen 1901 und 1917 im Besitz von Frischaufs Frau Marie war. Vermutlich enthält Frischaufs Nachlass weiterführende Dokumente und Informationen über die frühe Geschichte des Thunauer Hotels.

Anna und Ignaz Hofer (vormals Dworschak, 1917-1933)

Zwischen 1917 und 1933 gehörte das Thunauer Hotel der Familie Dworschak, die in den 1920er Jahren den Namen Hofer annahm, was in der folgenden Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1933 erwähnt wird, die Ignanz Hofer (vormals Dworschak) anlässlich seines vierzigjährigen Cafetier-Jubiliäums als früheren Fiaker vorstellt:

Jubiliare aus unserem Leserkreise (Aus: Illustrierte Kronen Zeitung. 29. April 1933, S. 3)
Jubiliare aus unserem Leserkreise (Aus: Illustrierte Kronen Zeitung. 29. April 1933, S. 3)

Anmerkung

1) Im „Sommerfrische“-Kapitel der „Garser Geschichte(n)“ (2014) sowie in meiner Garser Tourismus-Geschichte im „Stars in Gars“-Katalog (2017).

2) Christine Steininger und Bernhard Grünsteidl: Zitternberg. Spurensuche im Kamptal. Verschönerungsverein Zitternberg (2017). S. 310.

3) Inserat. In: Der Bote aus dem Waldviertel. 15. Jänner 1902.

Steinchenweise wird das Geschichtspuzzle des Thunauer Hotel und Terrassencafes zum Gesamtbild
Steinchenweise wird das Geschichtspuzzle des Thunauer Hotels zum Gesamtbild geformt.
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