Josef Leopold Pick: Zeitgeschichtlich interessanter Garser Villenbesitzer

Ein weiterer historisch interessanter, aber bislang völlig vernachlässigter Garser Villenbesitzer war der Wiener Hoflieferant Josef Leopold Pick (1851–1917), der sich im Oktober 1900 in Manigfall (Nr. 25, Horner Straße 225) eine Villa gekauft hat, die er Anfang 1910 an Paula Lang, die Mutter des später weltberühmten Stumm- und Tonfilmregisseurs Fritz Lang, verkauft hat.

Durch Inserate im „Garser Saison-Blatt“ wies Pick in Gars eigens darauf hin, dass er in seinem Wiener „Grammophon-Atelier“ auch Grammophon-Nadeln der Zitternberger Nadelfabrik Hanebeck feilbiete:

„Steiermärker Schützen-Nadeln für Grammophone aller Art aus den Nadelwerken Fr[iedrich] Hanebeck & Co., Gars am Kamp, die besten der Jetztzeit! Plattenschonend! Kein Zoll! Erste Grammophonnadelfabrik der Monarchie. Starkton! Wechselton! Geräuschfreie Nadeln und andere vorzügliche Sorten in den feinsten Verpackungen, Garantie für jede einzelne Nadel. Vertreter für Wien und Niederösterreich: Josef Leop[old] Pick, Grammophon-Atelier, Wien VII., Neubaugasse 78, Alleinverkauf f[ür] Gars: Jul[ius] Kiennast, Gars.“

Im Zusammenhang mit seinen Garser Nachbarn, der Familie Soini / Sagl (Manigfall 20, Horner Straße 220) wurde Pick 1910 als Zeuge vor Gericht geladen. Damals hatte der christlich-soziale Wiener Stadtrat Felix Hraba seinem Parteifreund Hermann Bielohlawek am 19. März 1910 in einer öffentlichen Rede vorgeworfen, dass Bielohlawek samt Frau und Kindern wiederholt bei der Unternehmerfamilie Soini / Sagl in deren Garser Villa eingeladen waren, nachdem ihr Unternehmen von Bielohlaweks Mitarbeitern öffentliche Aufträge erhalten habe.

Der von Hraba als Informant genannte Sommerfrischler Pick berief sich bei der gerichtlichen Vernehmung auf ein Missverständnis: „Der Zeuge Pick, Musikinstrumentenhändler, der den Stadtrat Hraba über den Aufenthalt Bielohlawek bei der Familie Soini in Gars informiert haben soll, erklärt, dass sich Hraba hier in der Person geirrt“ hätte.

Der nachfolgend verlinkte Nachruf auf Josef Leopold Pick (Aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, Nachruf, S. 196f, 1. April 1917) informiert über Picks Leben und Unternehmen sowie seine künstlerischen Leistungen als Ziehharmonikaspieler, -entwickler und -Komponist.

Nachruf auf Josef Leopold Pick (Aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, S. 196, 1. April 1917)
Nachruf auf Josef Leopold Pick (Aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, S. 196, 1. April 1917)
Nachruf auf Josef Leopold Pick (Aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, S. 197, 1. April 1917)
Nachruf auf Josef Leopold Pick (Aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, S. 197, 1. April 1917)
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